Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 2° Ms. mus. 1500[Sp. 75,3
Druck: Horst Heussner, Die Symphonien Spohrs, Phil. Diss. Marburg 1956, Anh. S. 12 (teilweise)
Inhaltsangabe: Autographen, Literatur und Wissenschaft, Kunst und Musik: aus dem Nachlaß des Verlagsbuchhändlers Dr. Fritz Baedeker nebst Beiträgen aus anderen Sammlungen. Versteigerung: Dienstag, den 14. August 1928, Mittwoch, den 15. August 1928 (= Katalog Henrici 138), Berlin 1928, S. 107

Sr. [Wohlgeb]1
Dem [Herrn Fr. Treitschke]
R[egisseur der k.k. Hof-Oper zu Wien.]

franc[o.]2


Frankfurt den 24sten
Juni 1819.

Geehrter Freund,

Einliegend erhalten Sie den Schein über die 59 Fl. 38 x. in 20 f Fuß für die falsche Catalani (die vor einigen Tagen richtig angekommen ist) und Ihre bisherigen Auslagen. Die Direktion läßt sie recht sehr ersuchen mit Ihren Berichten über die dortigen Neuigkeiten gefälligst fortzufahren und obgleich es nun entschieden ist, daß ich im Herbst ganz von hier abgehen werde, so bitte ich doch, mich bis dahin mit Ihren Briefen zu beehren und werde nicht verfehlen Ihnen vor meinem Abgange die Adresse meines Nachfolgers zu geben, mit dem Sie sich dann gefälligst in Correspondenz setzen wollen. Die Veranlassung, warum ich aufgekündigt habe, ist, daß die Direction mir meine beyden Bedingungen eines fernern Engagements 1.) der Sicherstellung für Lebenszeit und 2.) der ganz uneingeschränkten Leitung des artistischen Theiles der Bühnenverwaltung nicht hat zugestehen wollen.3 Ich gedenke nun ein Engagement bey den Philharmonischen Concerten in London, welches mir drey Jahre hintereinander angetragen wurde, für nächsten Winter anzunehmen.
In einigen Tagen werde ich Buch und Partitur von Zemire und Azor an Sie absenden. Ich bitte Sie recht sehr, mir so bald wie möglich zu schreiben, ob die Hoftheater-Intendanz sie annehme oder nicht, damit ich im letztern Fall recht bald über die Ihnen zugeschickte Abschrift verfügen kann, da schon, ehe ich die Oper angekündigt habe, von vier Theatern Bestellungen eingegangen sind und ich nicht weiß, wie ich vor meinem Abgange, bey dem Mangel an guten Copisten die nöthigen Abschriften werde liefern können. Ich habe zur Oper weiter nichts mehr zu erinnern, als daß sich das Ballet zu Anfang und zu Ende des 2ten Akts leicht noch verlängern ließe und daß ich gern, um nichts fremdes in meiner Oper zu haben, ein oder ein paar Balletstücke nachliefern würde, wenn man sie nöthig haben sollte. – Die Oper hat übrigens hier fortdauernd den größten Beyfall und erst wieder vor vier Tagen hat sie das Haus, welches jezt im Sommer zur Badezeit fast immer ganz leer ist, so gefüllt, daß niemand mehr hinein konnte.
[...]4
Verzeichen Sie gütigst meine vielen Bitten und erhalten Sie Ihre Freundschaft

Ihrem
ganz ergebenen
Louis Spohr.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Schuster, Ignaz : Die falsche Catalani
Spohr, Louis : Zemire und Azor
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: Hoftheater am Kärntnertor <Wien>
Stadttheater <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1819062415

http://bit.ly/2uZh5y1

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Treitschke an Spohr. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Treitschke, 10.12.1821.

[1] Hier und bei den folgenden Textergänzungen: Textverlust durch Ausschnitt.

[2] Links neben dem Adressfeld der Empfangsvermerk des Empfängers: „Frankfurt 24. Juny 1819 / Spohr. / empf 2. July / b”.

[3] Vgl. „Frankfurt am Main, den 4ten May“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 21 (1819), Sp. 349-359, hier Sp. 357.

[4] Textverlust durch Ausschnitt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (07.07.2017).