Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 62f.

Herrn
Herrn C. F. Peters
(Bureau de Musique)
in
Leipzig.

franco.1


Franckfurt den 19ten August
18.

Werthester Freund,

Die Partitur der Quartetten, nochmals auf's genaueste nachgesehn mit dem Fingersatz, Bogenstrichen und Weberschen Tempobezeichnung2 versehen sowie auch die mir sehr ähnliche Zeichnung liegen zum Abschicken bereit und ich bitte Sie mir zu schreiben, ob ich beydes mit der fahrenden Post Ihnen überschicken soll, oder ob Sie mir eine andere Gelegenheit anzugeben wissen. Den Clavierauszug der Oper mög[te] ich noch einmal recht genau durchsehen und hin und wieder etwas vereinfachen, um ihn leichter zu machen. Dazu bedarf ich aber einer ruhigern Zeit, als jezt, so kurz vor der Messe, wo ich jeden Tag lange Proben habe. Schreiben Sie mir doch daher auch gefälligst, ob es mit dem Überschicken desselben bis Mitte Oktober Zeit habe; nach Wien habe ich gleich nach Empfang Ihres Brief[es] geschrieben und Herrn Kapellmeister v. Seyfr[ied] verantwortlich gemacht, daß kein Mißb[rauch] mit der Partitur meiner Oper gem[acht wird.] Von dort aus haben wir allso, glaube [ich nichts] zu besorgen, wenn nicht etwa schon vor dem Abgang meines Briefes ein Auszug gemacht war, was mir aber nicht warscheinlich ist.
Zum Stiche meines Portrait's wählen Sie doch ja einen geschickten Künstler damit die vielen schlechten Portrait's von Tonkünstlern nic[ht] noch um eins vermehrt werden. Ich weiß nich[t]ob es besser seyn wird, es auf ein besonderes Blatt abzudrucken oder es mit auf das Titelblatt zu bringen, wie bey den letzten Romberg’sch[en] Quartetten, die in Hamburg herausgekommen sind. Doch das überlasse ich Ihnen zu bestimmen.
Nun noch 2 Bitten: Haben Sie doch die Gü[te] mir sobald wie möglich das Blatt der Wiener Musik. Zeitung, welches ich Ihnen zugesandt habe3 wieder zurückzuschicken (oder ein anderes Exemplar we[nn] sie in Leipzig zu bekommen ist,) indem ich noch einen Gebrauch davon zu machen gedenke und leider keine Abschrift davon genommen habe. 2tens bitte ich Sie recht sehr, 2 bedeutende Stichfehler, die uns beym Singen meiner 4stimmigen Lieder vorgekommen sind, in den Exemplaren, die Sie noch in Händen haben, corrigiren zu lassen, nämlich im Basso primo auf der 4ten Seite in der 3ten Reihe im ersten Tact müssen die drey lezten Achtel nicht f sondern e heißen und im Basso secondo auf der 3ten Seite in der untersten Reihe im ersten Tact müssen die drey letzten Achtel nicht a sondern gis heißen. Auch wünschte ich, daß bey der Anzeige der Lieder in der Musik. Zeitung dieser Stichfehler Erwähnung geschähe, weil sie nicht leicht aufzufinden sind. Der Himmel gebe nur, daß nicht noch mehrere darin sind, die uns bey einmaligem Durchsingen entgangen sein können.
Leben Sie recht wohl. Mit herzli[cher] Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Seyfried, Ignaz von
Weber, Gottfried
Erwähnte Kompositionen: Romberg, Andreas : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 53
Spohr, Louis : Faust
Spohr, Louis : Lieder, Ten 1 2 Bass 1 2, op. 44
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 45
Erwähnte Orte: Wien
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1818081920

http://bit.ly/2dA7d5K

Spohr



Dieser Brief ist Spohrs Antwort auf Peters an Spohr, 03.08.1818. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Peters, 13.09.1818.

[1] Über dem Adressfeld befindet sich von anderer Hand der Eingangsvermerk des Verlags: „1818 / 19 Aug / 24 '' / Frankfurt a.M. / Spohr“.

[2] Gottfried Weber propagierte die Tempobezeichnung mittels eines von ihm entwickelten Fadenpendels.

[3] „Über die romantische Oper: Faust, von Spohr”, in: Wiener allgemeine musikalische Zeitung 2 (1818), 258-263; vgl. Spohr an Peters, 30.07.1818.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (30.09.2016).