Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. HCB Br 352
Druck 1: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 115f. (teilweise)
Druck 2: Ferdinand Ries, Briefe und Dokumente, hrsg. v. Cecil Hill (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 27), Bonn 1982, S. 122f.

Monsieur Spohr
[noch nicht entziffert]
chez Mo Steup
Magazin de Musique
Amsterdam

[gebeten diesen Brief sobald als möglich zu besorgen Ferd. Ries]1


London 21 Oct. 1817

Wohlgebohrener
Hochzuverehrender Herr!

Sind Sie überzeugt, daß Sie längst die erwünschte Antwort auf Ihr werthes Schreiben von Neapel den 24 März erhalten haben würden, hätte diese nun von mir abgehangen. Doch Ihr Brief erreichte London zu spät für die damahlige Season, und alles wurde wieder verschoben. Endlich ist es mir und noch einigen ächten Verehrern Ihres ausgezeichneten Talentes gelungen, die Sache wieder in Gang zu bringen.
Indem ich mich nun auf meinen vorigen Brief vom 10. Dez. 1816 [in Hinsicht der Einrichtung unsres Concertes]2 berufe, nehmlich sowohl Solo als Dirigieren und Repienstimmen zu spielen, und allen 8 Concerten, welche ungefähr den 24 Febraur anfangen und sich 14 tägig folgen, beywohnen müssen, habe ich Ihnen im Namen der Phil. Gesellschaft folgenden Antrg zu machen
Wir bieten Ihnen 150 Guineas an, um unsern diesjährigen Concerten beyzuwohnen – nehmlich 50 GuS als einer unseren ersten Violinspieler und Anführer, (welches die beyden3 andern auch haben, indem wir unglücklicherweise ein Gleichgewicht beybehalten müssen, mehreres hoffentlich mündlich hierüber) 50 Gs indem Sie natürlich ungewöhnliche Kosten als Fremder haben müssen, und da wir hoffen, daß Sie uns auch Ihre schönen Simphonien und Overturen hier hören lassen werden; und noch andere 50 GS für das Eigenthumsrecht einer dieser Compositionen für die Gesellschaft.
Das bekannte Talent Ihrer Gemahlinn wird Ihnen in den hiesigen Privat Häusern von dem größten Nutzen und Wichtigkeit seyn (denn die Musik und Musikliebhabung ist unendlich zurück) im öffentlichen aber läßt sich nicht so bestimmt darauf rechnen. Dies ist mein Auftrag, den ich hoffe und wünsche, daß Sie ihn annehmen werden – zwar ist dieser Wunsch nicht so ganz uneigennützig – Gedenken Sie England zu besuchen, so ist der Eintritt auf diese Art bestimmt der beste. Von der Hälfte oder Ende Januar hier zu seyn, kann für Ihnen von garkeinem Nutzen seyn, indem nichts vor Februar oder März zu machen ist. Bewunderer, Freunde und Feinde werden Sie finden, hoffentlich werden Ihnen letztere so nützlich als wie mir werden.
Mit Vergnügen sehe ich einer baldigen günstigen Antwort entgegen – und da ich schon 4 Jahre hier bin, Leute Land && kenne, so würde es mich unendlich freuen, wenn Sie wenigsten überzeugt seyn wollten, daß Sie einen Verehrer hier4 finden würden, der Ihnen Rath und That freundschaftlich anbietet.
Unbekannterweise bitte ich mich Ihrer Gemahlin bestens zu empfehlen und genehmigen die Versicherung meiner innigsten Hochachtung.

Ew. Wohlgeb.
ergebenster Diener
Ferd. Ries

P.S. Ich sende diesen Brief durch meinen Freund S[teup] in Amsterdam, indem ich höre, daß Sie dort erw[artet] werden, sollten Sie bis Ende Januar dort bleiben, so wäre es möglich, daß ich Sie auf einige Wort dort sehen werde.
Meine Adresse Ferd. Ries
Mesrs B.A. Goldschmidt & Comp.
London

Erwähnte Personen: Steup, Heinrich Conrad
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Amsterdam
London
Erwähnte Institutionen: Philharmonic Society <London>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1817102143

http://bit.ly/2aezuMG

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Ries, 24.03.1817. Der nächste erhaltene Brief in der Korrespondenz zwischen Spohr und der Philharmonic Society ist der Brief der Philharmonic Society vom 07.07.1819, den Spohr am 12.08.1819 beantwortete. Im Auftrag der Philharmonic Society übernahm Ries am 07.09.1819 wieder die Korrespondenz mit Spohr.

[1] Autografer Zusatz von Ries unterhalb des Adressfelds.

[2] Über der Zeile eingefügt.

[3] „beyden” über der Zeile eingefügt.

[4] Hier gestrichen: „haben”.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (15.07.2016).