Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. NE 241,4

Herrn
Herrn N. Simrock
Musikhändler
in
Bonn.

franco.


Wohlgeborner,
Hochzuverehrender Herr,

Seit meiner Abreise von Wien1 (wo ich vor meinem Abgange noch alle dort geschriebenen Sachen an die dortigen Verleger verkaufte, von denen auch schon 3 Quartetten2 und 2 Quintetten3 erschienen sind) habe ich wieder, besonders vorigen Sommer in ländlicher Abgeschiedenheit4 manches neue komponirt welches ich vor meiner Abreise aus Deutschland auch noch bekannt machen will. Da ich mich jezt in Ihrer Nähe befinde, so nehme ich mir die Freiheit Ihnen folgende Manuscripte um beygesagte Preise zu offeriren.

Ducaten in Gold
 O :

 Septième Concerto de Violon

            20
 e : 

 Grande Polonaise pour Violon avec Orchestre

            12
 u :

 Variations sur l'air:    je suis encore dans

 v. :

                                 mon printemps pour la

 :

                                 Harpe seule

              5
35 :

 Fantaisie pour la Harpe

              5
 b :

 Zweite Sammlung Deutscher Lieder

            15
 i : 

 Duette

            15
 s :

 NB. Die erste ist vor 6 Jahren in Hamburg bey

40 :

 Böhme gestochen.


Um alles weitläufige Hin und Herschreiben zu vermeiden habe ich gleich die untersten Preise beygesagt. Sollten Sie eins oder mehrere dieser Manuscripte zu haben wünschen so erbitte ich mir mit erster Post eine gefällige Rückantwort wobei ich nur bis zum 12ten dieses hier verweile. Meine Wohnung ist in der Buchgasse Littera J. Nro 182.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Ew. Wohlgeb.
ergebenster Diener
Louis Spohr

Frankfurt a/M.
den 1sten Januar 1816.



Dieser Brief von Spohr an Simrock scheint der erste nach einer längeren Korrespondenzpause zu sein. Der letzte erhaltene Brief ist Spohrs Brief vom 12.06.1808. Aus Spohrs Brief vom 18.02.1816 lässt sich Simrocks Antwortbrief erschließen.

[1] Spohr verließ Wien im März 1815.

[2] Drei Streichquartette op. 29, Originalausgabe 1815, Wien, Mechetti.

[3] Zwei Quintette für 2 Violinen, 2 Violen und Violoncello op. 33, Originalausgabe Nr. I: 1815, Wien, Steiner. Während Spohr hier beide Quintette als erschienen bezeichnet, vermerkt Göthel, das zweite Quintett sei erst 1819 erschienen (vgl. Folker Göthel, Thematisch-bibliographisches Verzeichnis der Werke von Louis Spohr, Tutzing 1981, S. 58).

[4] Spohr verbrachte die Sommermonate des Jahres 1815 auf den schlesischen Gütern des Fürsten Heinrich Karl Erdmann zu Carolath-Beuthen (vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 1, S. 194ff., Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbst-Biographie, Bd. 1, Kassel und Göttingen 1860, S. 219-223).

Kommentar und Verschlagwortung, sofern in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (15.12.2014).