Autograf: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 850, Bl. 42

Sr. Wohlgeb.
Herrn Peters (Bureau de Musique.)
in
Leipzig.

franco.1


Gotha den 28sten August
15.

Wohlgeborner Herr,

Beykommend überschicke ich Ihnen die Partitur meiner Harmoniemusick nachdem ich alle zu schwierigen Stellen abgeändert und dann eine neue Abschrift besorgt habe. Sie ist nun so, daß sie von jedem, nur nicht ganz schlechten Musikchore executirt werden kann. Ich bitte Sie, sie unserer Verabredung gemäß2 in Partitur stechen zu lassen, damit jeder Director eines Harmonie-Chors sie mit Leichtigkeit für sein Personale arrangiren, das heist: die Instrumente vermehren oder auch allenfals vermindern kann.
Ohnerachtet sie in der Bogenzahl und in der Arbeit bedeutender ist wie die Lieder so setze ich als Honorar doch nur denselben Preiß, nämlich 20 Friedrichsd'or. Da meine Abreise von hier spätestens in 14 Tagen stattfinden wird so ersuche ich Sie, mir das Honorar gefälligst bis dahin zu übermachen, der ich mit vorzüglicher Hochachtung bin

Ew. Wohlgeb.
ergebenster Diener
Louis Spohr

NS. Sollten meine Quartetten aus Wien angekommen seyn3, so bitte ich Sie, sich Ihres gütigen Versprechens: mir 2 Exempl.(verte) davon zu schicken gefälligst zu erinnern. Sollten Sie Lust haben mein 7tes Violin-Concert für ein Honorar von 20 Friedrichsd'or zu verlegen, so stünde es Ihnen ebenfalls zu Dienste. Es ist dieß das Concert was ich zulezt in Leipzig gespielt habe4: a dur 6/8 Tact.

NS. So eben erfahre ich daß die fahrende Post schon abgegangen ist. Ich schicke daher diesen Brief mit der reitenden. Das Paquet werden Sie ohne weitere Zuschrift den Donnerstag mit der nächsten fahrenden Post erhalten.

Sp.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Konzerte, Vl Orch, op. 62
Spohr, Louis : Lieder, Singst Kl, op. 37
Spohr, Louis : Notturnos, op. 34
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 29
Erwähnte Orte: Leipzig
Erwähnte Institutionen: Gewandhaus <Leipzig>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1815082820

http://bit.ly/2aqHf2s

Spohr



Der letzte Brief der Korrespondenz mit diesem Musikverlag ist Spohr an Ambrosius Kühnel, 05.09.1812. Dieser Brief ist das erste erhaltene Schreiben von Spohr an den neuen Inhaber Peters, der den Verlag 1814 von Kühnels Erben gekauft hatte. Peters’ Antwortbrief vom 06.09.1815 ist derzeit verschollen.

[1] Über dem Adressfeld befinden sich von anderer Hand der Eingangs- und Antwortvermerk des Verlags: „1815 / 28. Aug. / 1 Sept. / 6 '' / Gotha / Spohr.“

[2] Spohrs an Peters, 18.05.1816 zufolge hatte Spohr Peters bei einem Besuch in Leipzig seine Lieder op. 37 angeboten. Peters zog jedoch das Notturno op. 34 vor. Bei dieser Gelegenheit dürften auch erste Einzelheiten der Inverlagnahme verabredet worden sein.

[3] Spohrs Quartette op. 29 erschienen bei Mechetti in Wien.

[4] Vgl. „Leipzig”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 14 (1812), Sp. 718-726, hier Sp. 722f.; „Polledro, Hermstedt, Spohr und seine Gattin in Leipzig. Als Rückblick auf die Michaelis-Messe”, Journal für Luxus, Mode und Gegenstände der Kunst 28 (1813), S. 35ff., hier S. 36. Das Konzert fand am 13.10.1812 im Leipziger Gewandhaus statt (Bert Hagels, Konzerte in Leipzig 1779/80 – 1847/48, Berlin 2009, Anhang (Pdf-Datei auf CDRom), S. 574f.).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (05.08.2016).